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Ma(h)l Zeit fürs Essen – Am Familientisch

Ma(h)l Zeit fürs Essen – Am Familientisch

Gemeinsame Tischmahlzeiten mit der Familie sind selten geworden, fallen manchmal sogar regelrecht unter den Tisch. Unsere straffen, individuellen Zeitpläne, die durch berufliche Anforderungen, ehrenamtliches Engagement oder zahlreiche Hobbies entstehen, lassen oftmals kaum Spielraum für vermeintlich aufwendiges Kochen und Dinieren. In vielen Bereichen unseres heutigen Lebens ist die Ernährung leider viel zu oft bloßes Mittel zum Zweck, um schnell den Hunger oder gar Langeweile zu stillen. Mit „To Go Produkten“, Fast Food und Fertiggerichten kaufen wir uns Zeit, die wir uns bei der Zubereitung sparen. Der Zeitmangel hat dem Essen in einigen Lebensbereichen durch die vielen anderen Aktivitäten seinen sozialen Stellenwert und seine Genussfunktion geraubt. Das ist schade, denn gemeinsame Mahlzeiten insbesondere am Familientisch bedeuten weit mehr als das Stillen von Hunger und Durst.

Gemeinsame Mahlzeiten

Schon seit eh und je spielen Mahlzeiten eine wichtige Rolle für Sozialisation, Erziehung und Austausch zwischen den Generationen. Bei Tisch kommen Familienmitglieder aus den verschiedenen Lebensbereichen zusammen und tauschen sich bei Speis und Trank aus.

Die Tischmahlzeit ist eine wertvolle Zutat, nicht nur für die Kommunikation und Harmonie in der Familie, sondern auch für die Entwicklung von Kindern. Am Tisch lernen sie Lebensmittel und Speisen kennen. Sie beobachten ihre Mitmenschen und ahmen ihr Verhalten nach. Sie bilden eigene Vorlieben, aber auch Abneigungen aus. Tischsitten und -rituale sowie regelmäßige Essenszeiten sorgen für Orientierung.

Apropos Regelmäßigkeit: Bereits seit dem Mittelalter haben sich in Deutschland drei Mahlzeiten pro Tag etabliert, die bis heute Bestand haben. Dazu zählen das Frühstück am Morgen, eine Hauptmahlzeit am Mittag und schließlich das Abendessen (Abendbrot), welches mittlerweile für viele die wichtigste Mahlzeit des Tages darstellt.

Anderes Land, anders Mahl

Nicht nur hierzulande, sondern in aller Welt spielt der Rhythmus des gemeinsamen Mahls eine Rolle. Die prominentesten Vertreter sind hier wohl die Briten, welche nach dem Frühstück (Breakfast) traditionell noch mindestens drei weitere Mahlzeiten einnehmen: Eine Zwischenmahlzeit am Mittag (Lunch), der Tee am Nachmittag (afternoon tea) sowie eine warme Mahlzeit am Abend (Dinner). Ach ja, und vielleicht noch ein weiteres Tässchen Tee vor dem Zubettgehen.

Die meiste Zeit fürs Essen nehmen sich übrigens die Franzosen. Während wir Deutschen uns täglich mit nur mittelmäßigen 1,5 Stunden dem Verzehr von Speisen widmen, gönnt man sich im Nachbarland mehr als zwei genussvolle Stunden. Vergleichsweise wenig Zeit nimmt man sich – mit gerade einmal 1 Stunde - in den Vereinigen Staaten.

Die Sache mit dem Glück

Genuss wird nicht nur durch die Wahl und Zubereitung der Lebensmittel beeinflusst. Auch das Essverhalten sowie das Ambiente, in dem die Speisen verzehrt werden, können sich positiv auf unser seelisches Wohlbefinden auswirken. Ob wir ein bestimmtes Lebensmittel mögen oder nicht, entscheidet sich hingegen oftmals durch Erfahrungen im Kindesalter. So kann die Erinnerung an emotionale Geborgenheit auch viele Jahre später noch dazu führen, dass beim Verzehr eines bestimmten Lebensmittels ein wahrhaftiger Glücksmoment entsteht. Verantwortlich ist der Botenstoff Dopamin, der bei positiven Assoziationen ausgeschüttet wird. Wer das Essen als Zweck oder Nebensache betrachtet, wird allerdings kaum eine Chance haben, sich an gemütliche Stunden an Omas Küchentisch zu erinnern und so ein wesentlich „unglücklicheres“ Geschmacksempfinden haben.

Es gibt noch viel mehr Gründe, mal wieder Zeit für ausgedehnte, genussvolle Momente mit der Familie, den Freunden oder dem Partner an einem liebevoll gedeckten Tisch zu investieren oder gemeinsam zu kochen – nicht zuletzt, wenn Kinder dabei sind.

In diesem Sinne: Mahlzeit!


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